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Geschichte der ersten FF Wandsbek (1871-1950)

Die Gründerjahre

Die Ursprünge des Brandschutzwesens in Wandsbek reichen nachweislich bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Im Jahre 1637 gründete der damalige Pächter des Gutes Wandsbek, Bernd von Hagen, eine Brand- und Schützengilde, in der alle Männer des Dorfes Mitglied sein mussten. Diese Schutzgemeinschaft diente nicht nur der Brandverhütung und -bekämpfung, sondern auch dem Selbstschutz vor Raub und Plünderung. Aus der Wandsbeker Brand- und Schützengilde entstanden schließlich die heutige Wandsbeker Schützengilde und die Freiwilligen Feuerwehr.

Nachdem Wandsbek am 1. Juni 1870 mit nunmehr knapp 11.000 Einwohnern preußische Stadt geworden war, trafen sich am 24. August 1871 interessierte Bürger, um zusätzlich zur bereits bestehenden städtischen Löschmannschaft, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Das erste Spritzenhaus befand sich auf dem Wandsbeker Marktplatz. Im Juli 1873 trat ein Abkommen in Kraft, in dem sich die FF Wandsbek und die Feuerwehr Hamburg gegenseitige, kostenlose Hilfe bei Feuersbrünsten versprachen. Mit der Einführung eines Wasserleitungssystems im Sommer des Jahres 1892 erfolgte eine durchgreifende Erneuerung der Feuerlöschgeräte; von nun an wurde erstmals ein einheitliches Kupplungssystem der wasserführenden Armaturen eingesetzt.

Das neue Spritzenhaus an der Hirschstraße

Das neue Spritzenhaus an der Hirschstraße Ein bedeutendes Datum in der Geschichte des FF Wandsbek war der 8. Oktober 1894. An diesem Tag wurde das neue Spritzenhaus an der Ecke Litzow-, Bleicher-, Hirschstraße seiner Bestimmung übergeben (heutiger Standort des Staatsarchivs). Anderthalb Jahre später, am 1. April 1896, wurde die städtische Löschmannschaft Wandsbeks aufgelöst. Von nun an war die FF Wandsbek allein für den Brandschutz in der Stadt zuständig.
Ende der neunziger Jahre ging in Bezug auf die Alarmierung der Löschmannschaft eine revolutionäre Neuerung in Betrieb. Wurde die Wehr bisher hauptsächlich mit 32 über die Stadt verteilten Nebelhörnern zum Einsatz gerufen, hielt nun die Elektrik Einzug in die Feuerwehr. Von der Polizeiwache aus, die mit zunächst acht Feuermeldestellen verbunden war, wurden die Männer per elektrischem Wecker in den Wohnungen alarmiert. In der (Wandsbeker) Zollstraße 102 und in der Goethestraße 16 (heute Teil der Robert-Schuman-Brücke) wurde jeweils eine so genannte Hydrantenstation mit entsprechendem Löschgerät eingerichtet. Einen der größten Einsätze in der bisherigen Geschichte der FF Wandsbek erlebten die Kameraden in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August 1898. Die Christus-Kirche am Wandsbeker Markt brannte trotz Unterstützung durch benachbarte Wehren und drei Hamburger Dampfspritzen vollständig nieder.

Die erste Motorspritze kommt zum Einsatz

Am 1. Oktober des Jahres 1900 wurde das Dorf Hinschenfelde eingemeindet. Wandsbek zählte nunmehr knapp 28.000 Einwohner und wurde am darauffolgenden 1. April 1901 kreisfreie Stadt. Die 1878 gegründete Freiwillige Feuerwehr Hinschenfelde blieb zunächst bestehen. Die folgenden Jahre waren von einer sprunghaft steigenden Industrieentwicklung in Wandsbek gekennzeichnet. Damit verbunden war auch der Anstieg der Gefahrenquellen. In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg ereigneten sich deshalb zahlreiche Großbrände in Holzlagern und Industriebetrieben. Besonders brandgefährdeten Unternehmen war es vertraglich gestattet, bei Ausbruch eines Feuers direkt die Hamburger Feuerwehr zu rufen. Dies führte immer wieder zu Unstimmigkeiten, da man gelegentlich vergaß, gleichzeitig auch die Wandsbeker Blauröcke zu alarmieren, die dann erst verspätet am Einsatzort eintrafen. Am 18. Januar 1909 wurde der 1880 in die Wehr eingetretene Tischlermeister August Böhme (1856-1936) zum Hauptmann (Wehrführer) gewählt. Er lenkte jahrelang die Geschicke der Wehr mit großer Hingabe (nach ihm wurde die Böhmestraße in Wandsbek benannt).

Die erste Automobil-Feuerspritze der Firma Benz Um die Schlagkraft der Feuerwehr zu erhöhen, entschied sich die Stadt im Jahre 1915 zur Anschaffung eines Automobils. Im Jahr darauf, der Ersten Weltkrieg war in vollem Gange, wurde im März 1916, für rund 31.000 Mark, die erste Automobil-Feuerspritze der Firma Benz (Aufbau Koebe, Luckenwalde) in Dienst gestellt. Im Jahre 1920 wurde das städtische Krankenauto von der Wehr übernommen. Es erfolgte außerdem eine Verschmelzung mit der 1876 gegründeten Sanitätskolonne des Roten Kreuzes. Kurz vor den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Wandsbek musste die Wehr am 8. Juni 1921 zu einem Großbrand in den Reichardt-Werken, damals Deutschland größte Schokoladenfabrik, ausrücken. Es dürfte der bis dahin größte Einsatz in der Geschichte der Wehr gewesen sein. Im Jahre 1927 wurden die Dörfer Jenfeld und Tonndorf in die Stadt Wandsbek eingemeindet, so dass Wandsbek nunmehr über drei freiwillige Feuerwehren verfügte; die Hinschenfelder Feuerwehr war zuvor aufgelöst worden. Im August 1929 erhielt die Wehr für 38.000 RM ihre erste motorgetriebene Drehleiter, eine 26 m lange Metz-Leiter mit Vollgummireifen auf Mercedes-Fahrgestell.

Die Wehr im "Dritten Reich"

Die erste Automobil-Feuerspritze der Firma Benz Mit Inkrafttreten des preußischen Gesetzes über das Feuerlöschwesen am 1. Januar 1934 wurden die Wandsbeker Wehren dem Ortspolizeiverwalter unterstellt. Wenig später wurden die Wehren Jenfeld und Tonndorf in die FF Wandsbek eingegliedert. Die Alarmierung der Wehrangehörigen erfolgte durch eine Weckerlinie in den jeweiligen Wohnungen der Kameraden. In den Ortsteilen Jenfeld und Tonndorf erfolgte die Alarmierung der Löschzüge weiterhin durch Hornsignale.
Obwohl die Hamburger Berufsfeuerwehr bei der Eingemeindung der stormarnschen Stadt Wandsbek am 1. April 1938 den Brandschutz übernahm, blieb die FF Wandsbek bestehen. Am 23. Dezember 1938 trat das so genannte Reichsfeuerlöschgesetz in Kraft. Danach wurden die Berufsfeuerwehren in die Polizei eingegliedert (Feuerschutzpolizei), die freiwilligen Feuerwehren als Hilfspolizeitruppe Teil der Ordnungspolizei. Die Umsetzung in Hamburg erfolgte im Wege der Verordnung am 3. Oktober 1939. Die 41 Mann starke FF Wandsbek gehörte innerhalb der Hamburger Freiwilligen Feuerwehren nun zur Wehrabteilung 3 (Wandsbek) der Feuerwehrgruppe Ost.

Die erste Automobil-Feuerspritze der Firma Benz Am 1. März 1941 wurde eine so genannte Feuerwehrschar der Hitler-Jugend (HJ) gegründet (Vorläufer der heutigen Jugendfeuerwehr). Die anfangs 27 Jugendlichen wurden hauptsächlich im Brandschutz, aber auch, wie zu dieser Zeit üblich, im militärischen Exerzieren ausgebildet. Die graugrünen Uniformen stammten aus Beutebeständen der holländischen Armee. Dazu wurden rot-weiß-rote Armbinden mit Hakenkreuz getragen.

Das Ende der FF Wandsbek

In den verheerenden Hamburger Bombennächten des Jahres 1943 war die Wehr pausenlos im ganzen Stadtgebiet, sowie auch in Wedel, im Einsatz. In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943 erhielt die Wache an der Hirschstraße bei einem Luftangriff einen Volltreffer durch eine englische 500 lbs Sprengbombe; insgesamt 25 Feuerwehrleute wurden verschüttet, 10 Kameraden und ein Jugendlicher der HJ-Feuerwehrschar konnten nur noch tot geborgen werden. Ein Teil des Fuhrparks wurde zerstört. Damit war das Ende der Wehr praktisch besiegelt. Die nur noch auf dem Papier existierende FF Wandsbek wurde aber erst am 31. März 1950 Jahres offiziell aufgelöst.


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